Warum nicht »Hautfarbe«?

Seit es →Rassismus gibt, werden Menschen mit dem Begriff »Hautfarbe« in Gruppen eingeteilt. Er taucht in Sätzen auf wie »Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe«, wenn eigentlich Diskriminierung aufgrund von Rassismus gemeint ist.

Oder er kommt in Formulierungen wie »Menschen anderer Hautfarbe« vor, die so tun als gäbe es eine normale »Hautfarbe« und andere »Hautfarben«.

Nur weil es Rassismus gibt, gelten bestimmte »Hautfarben« als anders und andere als normal.

Der Begriff »Hautfarbe« wird benutzt, wenn Menschen immer wieder als anders benannt werden, obwohl sie gar nicht anders sind. Durch den Begriff »Hautfarbe« werden Menschen erst anders gemacht.

Nur weil es Rassismus gibt, denken wir überhaupt über »Hautfarben« nach.

Wenn es Rassismus nicht gäbe, würden wir vermutlich sehr selten über »Hautfarbe« sprechen oder nachdenken. Biologisch betrachtet meint »Hautfarbe« die Pigmentierung der Haut. Die Haut von Lebewesen kann mehr oder weniger pigmentiert sein. Eine andere Bezeichnung dafür ist der Melanin-Anteil in der Haut. Umso weniger die Haut pigmentiert ist (umso geringer der Melanin-Anteil ist), desto heller sieht sie aus – und umgekehrt.

Die Einteilung nach »Hautfarben« ist nicht natürlich oder einfach da. Wie Menschen »Hautfarben« sehen unterscheidet sich, je nachdem wo ein Mensch aufgewachsen ist und je nachdem welcher Melanin-Anteil der Haut dort häufiger ist.


Ohne Rassismus würde die Vorstellung es gäbe unterschiedliche »Hautfarben« keine Rolle im Leben von Menschen spielen.

Wenn es Rassismus nicht gäbe, würde die unterschiedliche Pigmentierung der Haut keine Rolle im Leben von Menschen spielen. Denn sie sagt nichts über den Charakter, die Herkunft oder die Handlungen einer Person aus. Sie hat keinen Erklär-Wert. Wir haben nur gelernt diesen Aspekt als relevantes Merkmal von Menschen wahrzunehmen.

Ohne Rassismus, würden wir genauso wenig über unterschiedliche Haut-Pigmentierungen nachdenken wie über unterschiedliche Schuhgrößen.


Wenn es keinen Rassismus gäbe, würden wir die Pigmentierung der Haut von Menschen gar nicht wahrnehmen. Sie wäre ein genauso unwichtiges Detail wie die Schuhgröße einer Person.


Stell dir vor wir hätten die Diskriminierung durch Schuhgrößen gelernt, so wie wir Rassismus gelernt haben. Menschen mit bestimmten Schuhgrößen hätten mehr Macht als andere. Menschen mit als anders bezeichneten Schuhgrößen wären in allen Lebensbereichen diskriminiert. Wir würden lernen permanent die Schuhgrößen anderer Menschen wahrzunehmen. Wir könnten uns gar nicht mehr vorstellen Anderen nicht auf die Füße zu schauen. Der Schuhgrößen-Unterschied würde uns immer sofort auffallen.
Es erscheint absurd Menschen nach Schuhgrößen einzuteilen. Denn Schuhgrößen sind unwichtig in den allermeisten Situationen. Sie sagen nichts über eine Person aus, außer ihre Fußgröße.

Bei der Kritik am Begriff »Hautfarbe« geht es nicht darum zu behaupten, Menschen könnten »farbenblind« sein. Denn das ist in einer rassistischen Gesellschaft nicht möglich und mit solchen Aussagen versuchen weiße Menschen ihre Beteiligung an rassistischen Strukturen klein zu reden. Es geht vielmehr darum, den weißen Blick umzukehren und auf das rassistische System und das eigene rassistische Handeln zu richten.

Mehr Beispiele und Erklärungen dazu was Diskriminierung mit der Erfindung von Unterschieden zu tun hat, findest du hier.