Kolonialismus
Kolonie bedeutet übersetzt »Ansiedlung« oder »Niederlassung«. Kolonialismus bedeutet sich gewaltsam ein anderes Land anzueignen und den dort lebenden Menschen die eigene Lebensweise und Weltsicht aufzuzwingen.
Der Begriff Kolonialismus hat verschiedene Ebenen:
1) Die Geschichte der europäischen Kolonialisierung
- Europäische Menschen zum Beispiel aus Spanien, Portugal, Italien, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Deutschland sowie Menschen aus den USA eigneten sich gewaltsam Länder zum Beispiel in Asien, Afrika, Australien und den Amerikas an.
- Die europäischen und →weiße US-amerikanische Menschen beuteten Indigene Menschen und nicht-menschliches →Lebendiges aus. Sie versklavten, verschleppten und ermordeten Indigene Menschen und zerstörten ihre Gemeinschaften, ihre Verbindung mit dem Land und ihr Wissen. Sie zwangen den Indigenen Menschen ihr koloniales Weltbild und ihre Lebensweise auf.
- Die europäische Kolonialisierung begann im 15. Jahrhundert, das heißt vor 525 Jahren. Die Kolonialisierung endete schrittweise ab den 1950er Jahren, also vor 75 Jahren, als sich die kolonisierten Länder ihre Unabhängigkeit von den europäischen Staaten erkämpften.
2) Neuer Kolonialismus und Nachwirkung der Kolonial-Geschichte
- Kolonialismus und die Verbreitung des →Kapitalismus ist die Haupt-Ursache für die heute bestehende weltweite Ungleichheit und die Klima-Katastrophe
- Mit der Befreiung von den Kolonial-Regierungen endete der Kolonialismus nicht: Es besteht weiterhin ein ungleiches →Machtverhältnis zwischen ehemals kolonisierten Ländern und ehemals kolonisierenden Ländern.
- Ehemalige Kolonial-Staaten üben weiterhin politische Macht und Gewalt in den ehemals kolonisierten Ländern aus, beuten Landschaften und Menschen aus, und halten sie in wirtschaftlicher Abhängigkeit. Das Weiterbestehen der kolonialen Ausbeutung wird als Neokolonialismus bezeichnet (»neo« bedeutet auf deutsch »neu«)
- Postkolonialismus bezeichnet die Auseinandersetzung mit den Nachwirkungen des Kolonialismus und den Widerstand gegen neo-koloniale Diskriminierung (»post« bedeutet auf deutsch »nach« oder »danach«)
3) Koloniales Weltbild
- Europäische Wissenschaftler begründeten die koloniale Gewalt mit der rassistischen Erfindung der Überlegenheit weißer Menschen.
- Das koloniale Weltbild beruht auf →Rassismus, →genderbezogener Gewalt, →Antisemitismus und →BeHinderungs-Feindlichkeit. Kolonialismus ist eng verbunden mit der Geschichte und Verbreitung von Kapitalismus und →Klassismus.
- Kolonialismus beruht auf einem Verständnis von Natur und Menschen als getrennt und von bestimmten Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen. Die koloniale Denkweise ignoriert, dass menschliche und nicht-menschliche Natur miteinander verbunden sind. Diese Unverbundenheit führt zur Zerstörung unser aller Lebensgrundlagen.
Dekolonisierung bezeichnet die Befreiung von (neo-) kolonialen Machtverhältnissen und die Befreiung von kolonialen Denkweisen. Das Ziel der Dekolonisierung ist eine gewaltbefreite Welt der lebendigen Verbundenheit und Vielfalt.
