Klassismus & Kapitalismus

In einer kapitalistischen Gesellschaft sind alle →Institutionen (zum Beispiel Gesetze, Gewohnheiten, öffentliche Einrichtungen) darauf ausgerichtet privates Eigentum wie Geld, Häuser, Land, Autos, Firmen und Fabriken zu fördern und zu schützen.

Einfach ausgedrückt: Im Kapitalismus regiert das Geld – beziehungsweise der Markt. Auch in sogenannten sozialen Marktwirtschaften wie der Bundesrepublik Deutschland, wird der Wert von Menschen an ihrer Leistung und ihrem Vermögen gemessen. Zum Beispiel in privatisierten Pflegeheimen und Krankenhäusern, in denen sich die Versorgung der Menschen finanziell lohnen muss, so dass immer weniger Zeit für eine würdevolle Behandlung bleibt. Weitere Beispiele sind andauernde Kürzungen von Sozial-Leistungen, wie der sogenannten Grundsicherung, die Bezeichnung von Menschen als »humane Ressourcen« auf dem Arbeitsmarkt und immer stärkere Einschränkungen des Asylrechts.

Nicht-menschliches →Lebendiges wird im Kapitalismus meist gar nicht als Leben wahrgenommen und behandelt, sondern nur auf seinen Nutzen für →privilegierte Menschen in →Dominanzgesellschaften reduziert. Kapitalismus trennt Menschen aus ihrer lebendigen Verbindung mit Flüssen, Menschen, Gräsern, Bergen, Erlen und Bienen und damit auch von ihrer Lebensgrundlage.

Kapitalismus ist im Moment weltweit die dominante Gesellschaftsform. Die Ausbreitung von Kapitalismus ist eng mit →Kolonialismus verbunden und hat zu einem globalen System der Ausbeutung geführt. Das heißt über-reiche Staaten zum Beispiel in Europa und Nordamerika leben auf zerstörerische Weise auf Kosten anderer Gesellschaften, zum Beispiel im südlichen Afrika und in Asien, die sie in Abhängigkeit und Armut halten.

Wir erklären Kapitalismus und Klassismus hier zusammen, weil sie eng miteinander verbunden sind. Es gibt Klassismus, weil es Kapitalismus gibt. In einer Gesellschaft, die auf Wachstum, Wettbewerb, Leistung und dem Prinzip der Stärkeren basiert, ist Diskriminierung und Ausbeutung an der Tagesordnung. Kapitalismus produziert und feiert wenige Über-Reiche und erzeugt den Glauben, dass alle die Chance hätten reich zu werden. Gleichzeitig produziert und beschämt Kapitalismus viele armutsbetroffene Menschen. Wenn Menschen diese Bewertungen nach →sozialer Herkunft und sozialem Status verinnerlichen und gegeneinander anwenden, dann handeln sie klassistisch diskriminierend.

Tipps zum Weiterlesen:

  • Ideen wie du kapitalistische Normen aus deinem Leben verabschieden kannst, findest du im Buch Lebendig sein – Kapitalismus die Grundlage entziehen
  • Anregungen für klassismus-kritisches Handeln findest du im Buch »Klassismus überwinden – Wege in eine sozial gerechte Gesellschaft« von Francis Seeck: unrast-verlag.de
  • Broschüre »Auf Kosten anderer? Wie die imperiale Lebensweise ein gutes Leben für alle verhindert« vom I.L.A.-Kollektiv (PDF): aufkostenanderer.org