soziale Herkunft & sozialer Status
→Kapitalismus und Klassismus schaffen die Kategorien sozialer Status und soziale Herkunft. Mit diesen Kategorien werden Menschen danach bewertet, wieviel Geld und Ansehen sie haben (sozialer Status) und mit viel Wohlstands-Privilegien sie aufgewachsen sind (soziale Herkunft).
Einen klassistisch privilegierten sozialen Status zu haben bedeutet zum Beispiel finanziell unabhängig von Staat, Familie und Freundens zu sein, Abitur und ein Studium gemacht zu haben, einen sicheren und angesehenen Job zu haben, Erspartes zu haben, eine ausreichend große Wohnung bezahlen zu können, gerecht hergestellte Kleidung in guter Qualität kaufen zu können, regelmäßig in den Urlaub fahren zu können und sich die meiste Zeit kaum Gedanken um Geld machen zu müssen.
Reichtum und Armut werden in kapitalistischen Gesellschaften vererbt. Wenn armutsbetroffene Menschen es dennoch schaffen sich finanzielle Sicherheit, also einen höheren sozialen Status zu erkämpfen, verschwindet die klassistische Diskriminierung nicht automatisch. Der Begriff soziale Herkunft soll verdeutlichen, dass Klassismus auf mehreren Ebenen wirkt:
1) materielle (das heißt anfassbare) Werte wie Geld und Besitz, und
2) kulturelle und soziale Werte wie Bildung, Wissen über Verhaltensregeln, Selbstvertrauen, Anerkennung und Zugehörigkeit
Diskriminierungen aufgrund sozialer Herkunft sind immer verbunden mit anderen strukturellen Diskriminierungen oder Privilegierungen, die sich gegenseitig verstärken. Zum Beispiel wird →migrantisierten →Kindern of Color und Kindern mit →BeHinderungen der Zugang zu Bildung und damit der soziale Aufstieg erheblich erschwert durch rassistische und beHindernde Strukturen im Schulsystem. Und für →frauisierte oder →genderqueere Personen werden sich die weiter unten beschriebenen Herkunfts-Privilegien vermutlich weniger umfassend auswirken als für →weiße, →heterosexuelle, nicht-jüdische →cis→endo-Männer.
Eine klassistisch privilegierte soziale Herkunft zu haben, bedeutet mehr als aktuell in finanzieller Sicherheit zu leben. Es bedeutet von der Kindheit an gelernt zu haben, sich unter finanziell Privilegierten wie ein Fisch im Wasser zu fühlen. Das heißt zum Beispiel bei öffentlichen Veranstaltungen wie im Theater oder bei Buchlesungen selbstbewusst aufzutreten und hilfreiche Kontakte zu Menschen in machtvollen Positionen zu knüpfen. Es bedeutet an der Uni zu studieren mit dem Wissen und Fühlen dort hinzugehören, so wie schon die eigenen Eltern und Großeltern. Es heißt die richtigen Verhaltensweisen zu kennen, um sich im Haifisch-Becken der Oberklasse am richtigen Platz zu fühlen, sei es auf einer Kunstmesse oder bei einem Geschäftsessen mit 5 Gängen. Klassistische Privilegierung bedeutet auch die beruhigende Gewissheit zu haben, dass ein Erbe auf dich wartet und kein Gespür dafür zu haben, wie sich existentielle Geldsorgen anfühlen. Klassistisch privilegierte Menschen glauben häufig an das Märchen, alle Menschen hätten die gleichen Chancen und viele nutzen diese Erzählung, um armutsbetroffene Menschen für ihre Armut selbst verantwortlich zu machen, sie also doppelt zu beschämen und abzuwerten.
