Patriarchat
Patriarchat bedeutet »Herrschaft der Väter«. Patriarchat ist ein anderes Wort für →genderbezogene Diskriminierung. Denn es beschreibt die strukturelle Diskriminierung und Privilegierung, die auf der →sozialen Kategorie →Gender basiert.
In einem patriarchalen System sind →endo→cis-Männer strukturell privilegiert und →trans* Menschen, →inter* Menschen, →genderfreie Menschen, Frauen und →nicht binäre Menschen werden strukturell diskriminiert.
In patriarchalen Gesellschaften üben Männer Macht und Kontrolle über frauisierte Menschen und Kinder aus. Sie treffen Entscheidungen für sie und behandeln sie mehr oder weniger bewusst wie Besitz. Das zeigt sich unter anderem in patriarchalen Gesetzen. Bis heute sind Schwangerschaftsabbrüche in der BRD rechtswidrig. Bis 1997 war in beiden deutschen Staaten sexualisierte Gewalt in der Ehe erlaubt.
Neben Gesetzen stützen auch gesellschaftliche Traditionen die gender-basierte Macht-Ungleichheit. Wenn Frauisierte nach der Hochzeit zu ihren Ehemännern und deren Familien ziehen, dann verlassen sie die verbündeten Menschen ihres Heimatortes und werden entwurzelt. Sie müssen sich in die Netzwerke ihres Ehepartners einfügen und werden abhängig von diesen. Im Fall von Konflikten hat der Ehemann den Vorteil seine über Generationen gewachsene Beziehungen und Netzwerke auf seiner Seite zu haben. Diese Dynamiken tragen zum Beispiel dazu bei, dass Opfer von häuslicher Gewalt nicht gehört werden und Täter von ihrem Umfeld geschützt werden.
Auch Heiratsrituale, wie das Übergeben der Braut, beruhen auf patriarchalen Vorstellungen und tragen diese weiter: Der Ehemann bittet den Vater der Braut um Erlaubnis die Tochter zu heiraten und während der Trauung übergibt der Vater dann die Hand seines Kindes an den Bräutigam. Dahinter steckt eine patriarchale Haltung: Der Vater übergibt die Kontrolle über seine Tochter an einen anderen Mann. Auch wenn Menschen sich nicht als traditionell verstehen, wirken diese erlernten Muster weiter. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass Männer bei einer Trennung auf den »Kontrollverlust« gegenüber ihren Partner*innen häufig mit Gewalt reagieren – bis hin zu Femiziden. Diese genderbezogene Gewalt basiert darauf, dass Männer gelernt haben frauisierte Menschen würden ihnen gehören und hätten kein Recht selbstbestimmt zu leben.
Im →kapitalistischen Patriarchat zeigt sich gender-basierte Ungleichheit auch darin, dass →frauisierte Menschen schlecht bezahlt oder unbezahlt den größten Teil der Sorge-Arbeit machen, während privilegierte Männer vor allem für die Lohnarbeit zuständig sind und dadurch, unter anderem, mehr Einflussmöglichkeiten, Freizeit, Entscheidungsfreiheiten und Geld haben.
