Identität
Identität ist ein vielschichtiges Wort mit verschiedenen Bedeutungen. Vorstellungen von Identität sind immer eng mit Diskriminierung und Privilegierung durch Sprache verbunden.
Mit Identität kann gemeint sein, wie du dich selbst wahrnimmst und wo du dich zugehörig fühlst. In diesem Sinn ist Identität ein anderes Wort für dein Selbst-Verständnis als Person oder als Teil einer Gruppe. Ein Beispiel für diese Bedeutung von Identität als selbstbestimmtes Verständnis von dir kann sein: »Ich bin eine natur-verbundene Person und ich bin in der Bewegung für Klima-Gerechtigkeit aktiv.«
Wie du dich selbst verstehst und beschreibst, hängt aber auch damit zusammen wie Andere dich wahrnehmen und ansprechen. Ob sie dich in Denk-Schubladen stecken und dich anders machen, oder eher nicht. Die Freiheit die eigene Identität zu er_finden ist ein Privileg, das durch Diskriminierung eingeschränkt wird.
Privilegierte Identitäten werden selten benannt, weder durch Andere noch durch die Privilegierten selbst. Vermutlich hörst du selten Sätze wie: »Ich bin →weiße deutsche →Nicht-Sintizza.« Oder: »Als →Cis→endo-Mann erlebe ich keine genderbezogene Diskriminierung und interessiere mich nicht für →Feminismus.«
In der →Dominanzgesellschaft müssen →weiße deutsche Nicht-Sinti*zze nicht erklären, dass sie deutsch sind. Sie werden auch nicht von Anderen ausdrücklich als Nicht-Sinti*zze oder als weiß eingeordnet. Ihre Zugehörigkeit wird nicht in Frage gestellt. Menschen, die keine genderbezogene Diskriminierung erfahren, müssen ihr Selbstverständnis in Bezug auf →Gender und Feminismus meist gar nicht erklären.
Dem gegenüber drücken Selbst-Bezeichnungen wie →Schwarz, →inter* und feministisch widerständige Identitäten aus. Sie setzen der Anders-Machung →empowernde Bündnisse entgegen.
Privilegierte und diskriminierte Identitäten werden immer auch durch die Gesellschaft mit-geformt – das heißt durch →soziale Kategorien wie Gender, Alter, →Race, →psychische BeHinderungen, Herkunft, Religion, körperliche →BeHinderungen.
Wenn Menschen durch Anders-Machung bestimmte Identitäten zugeschrieben werden, dann ist das eine Dimension von struktureller Diskriminierung. Auf Gerecht*Sprechen schlagen wir darum vor, diskriminierungs-kritisch mit dem Begriff Identität umzugehen. Das bedeutet: Zu versuchen Diskriminierungsformen zu benennen, anstatt Menschen anders-machende Identitäten zuzuschreiben – sie also in Denk-Schubladen zu stecken. Und wir versuchen umgekehrt die privilegierten Identitäten zu benennen, die oft als normal vorausgesetzt werden und unbenannt bleiben.
Anders ausgedrückt: Wir versuchen die Aufmerksamkeit weg von sozialen Kategorien zu lenken und hin zu den →Machtverhältnissen, die diese Identitäten erschaffen. Also zum Beispiel weg von Gender-Identitäten (wie →Cis-Frau) und hin zu struktureller Diskriminierung durch Gender (wie Frauen*feindlichkeit). Noch konkreter am Beispiel Rassismus: »Adem findet keine Wohnung, weil es strukturellen Rassismus gibt.« statt: »Adem findet keine Wohnung, weil er einen Namen nicht-deutscher Herkunft hat.«
Weitere Beispiele zur Frage, inwiefern das Benennen von sozialen Kategorien diskriminierend ist, findest du auf der Seite Was ist Anders·Machung?
