Positionierung
Positionierung meint deine Verortungen im Netz intersektionaler Diskriminierungen. Dich zu positionieren bedeutet zu benennen, durch welche →Machtverhältnisse du diskriminiert wirst und durch welche Machtverhältnisse du privilegiert wirst. Dich in Bezug auf →Rassismus zu positionieren bedeutet zum Beispiel dich als →Person of Color, als →Schwarze Person oder als →weiß privilegierte Person zu positionieren und zu überlegen, welche Rolle diese Positionierung für dein Wissen und deine Teilhabe in der →Dominanzgesellschaft spielt. Dich in Bezug auf →BeHindert-Werden zu positionieren, könnte heißen darüber nachzudenken, ob du dabei beHindert wirst selbstbestimmt zu leben und deinen Alltag zu gestalten, oder an welchen Punkten du vielleicht unbewusst zur BeHinderung anderer Menschen beiträgst.
Privilegierte Positionierungen zu benennen, kann anti-diskriminierend wirken. Denn strukturelle Diskriminierungen basieren darauf, dass nur diskriminierte Positionen markiert und anders gemacht werden. Privilegiert zu sein, das heißt zum Beispiel →heterosexuell, nicht-jüdisch und →cis-gender zu sein, gilt in der Diskriminierungs-Logik als normal und wird nicht ausdrücklich benannt.
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen der Benennung einer privilegierten Positionierung und einer diskriminierten Positionierung: Wenn du eigene Diskriminierungen benennst, zum Beispiel als →migrantisierte →inter* Person, dann handelt es sich um →empowernde Selbst-Bezeichnungen. Eine privilegierte Positionierung zu benennen ist keine empowernde Selbst-Bezeichnung. Wenn sich Menschen positiv auf eine eigene Privilegierung beziehen, dann bestätigen sie das zugrundeliegende Machtverhältnis, anstatt es zu kritisieren. Zum Beispiel: Wenn Menschen stolz sind weiß zu sein, dann bestätigen sie Rassismus als Machtverhältnis.
Wir schreiben von Positionierung statt von Position, weil sich zu positionieren ein andauernder Prozess ist, der sich verändert. Je nach Situation und Ort kann sich unterscheiden, welche deiner Positionierungen gerade besonders relevant sind. Zum Beispiel ist in einer Diskussion über genderbezogene Gewalt und BeHinderung das →Erfahrungswissen von Menschen, die beHindert und →genderbezogen diskriminiert werden bedeutsamer als die Erfahrungen von cis-→endo-Männern ohne BeHinderung. Außerdem können sich Positionierungen verändern. Zum Beispiel kann sich das Ausmaß →klassistischer Diskriminierung mit deiner Einkommens-Situation verändern, während das Erfahrungswissen von Armut betroffen gewesen zu sein, dich weiterhin prägt.
Mehr Infos über die Entstehung des Begriffs und über Positionierungen in Bezug auf Rassismus findest du auf der Website von IDA e. V. (Informations- und Dokumentationsstelle für Antirassismusarbeit): idaev.de
