Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze

Die Autorin und Aktivistin Isidora Randjelović definierte Rassismus gegen →Sinti*zze und Rom*nja als:


»Eine historisch gewachsene und transnational organisierte Gewalt, die auf die Psyche und die Körper von romani Subjekten transgenerationell einwirkt und Lebenserschwernisse, Verletzungen und Krankheiten, verkürzte Lebenserwartung bis hin zum Tod verursacht. Diese Gewalt schließt Rom*nja individuell und/oder kollektiv und in Verschränkung mit weiteren gesellschaftlichen Platzierungen wie Klasse, Gender, Sex, religiöser Zugehörigkeit von materiellen, finanziellen sowie symbolischen Ressourcen und von gesellschaftlicher Anerkennung und struktureller Teilhabe aus.«

Hier findest du den gesamten Text von Isidora Randjelović aus dem Jahr 2019: »Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze«

Feindliche Einstellungen und Gewalt gegen Rom*nja und Sinti*zze gibt es seit ihrer Ankunft in Europa im 14. Jahrhundert, das heißt seit ungefähr 700 Jahren. Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze ist eine strukturelle Diskriminierung, die wie →Antisemitismus und →Kolonialismus eng mit der deutschen Geschichte verbunden ist.

In der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten deutsche Nicht-Rom*nja mindestens eine halbe Million Sinti*zze und Rom*nja und 6 Millionen →Juden*Jüdinnen. Außerdem ermordeten die Deutschen Hundert-Tausende Menschen, die sie mit Bezug auf die Kategorien →BeHinderung, →Gender,Race, →soziale Herkunft und wegen ihrer Religion oder ihrer politischen Überzeugung verfolgten.

Der romani Begriff für die Verfolgung und den Genozid an den europäischen Rom*nja ist Samudaripen. Ein ebenfalls oft verwendeter Begriff ist Porajmos.

Die rassistische Diskriminierung von Rom*nja und Sinti*zze endete nicht mit der Nazi-Zeit. In der DDR wurden Sinti*zze und Rom*nja als Verfolgte anerkannt, waren aber weiterhin rassistischer Anders-Machung im Alltag und durch →Institutionen ausgesetzt. In der BRD setzte sich die rassistische Gewalt durch die →Dominanzgesellschaft bis in die 1980er Jahre auf vielen Ebenen unverändert fort. In beiden deutschen Staaten haben sich aktivistische Sinti*zze und Rom*nja ihre Gedenkorte für die Verfolgung über viele Jahrzehnte erkämpft.

Gut zu wissen: Es gibt weitere Begriffe um die Diskriminierung von Sinti*zze und Rom*nja zu benennen, wie zum Beispiel »Antiromaismus« und →Gadje-Rassismus. Mehr über die Vorteile der verschiedenen Begriffe und Kritikpunkte dazu, kannst du hier nachlesen: vielfalt-mediathek-de


Rassismus-kritisches und →empowerndes Wissen von Romnja* und Sintizze* findest du auf der Website der →feministischen Selbstorganisation RomaniPhen: romnja-power.de